Deutschland 2014

Regie

Thomas Heinemann

Darsteller

Tabea Hanstein, Christiane
Paul, Tobias Oertel,
Arturo Perea Bigwood,
Antoine Monot u.a.

Verleih Farbfilm Verleih
Kamera Tobias Jall
Buch Thomas Heinemann
FSK freigegeben ohne Altersbeschränkung
Länge 90
Tonformat Dolby Digital

In Thomas Heinemanns sympathischer Außenseiter-Comedy für Kinder kommt trotz tiefgründiger Alleinerziehungs- und Ausländer-Thematik der Humor nicht zu kurz.

In einer Zeit, in der vor allem etablierte Marken den deutschen Kinderfilm bestimmen, ist man um jedes Originaldrehbuch froh, das für die Leinwand adaptiert wird. Wenn die Verfilmung dann auch noch so charmant und lebensfroh ausfällt wie "Lola auf der Erbse", ist dies umso schöner. Ausgedacht hat sich die Geschichte Thomas Heinemann, der 1985 das erste Theater gründete, in dem Kinder für Kinder spielen, vor allem aber durch seine Zusammenarbeit mit dem Kabarettisten Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig bekannt wurde.

Nun entführt uns Heinemann, der hier als Autor, Regisseur und Produzent fungiert, auf ein kunterbuntes Hausboot, das einem Pippi-Langstrumpf-Abenteuer entsprungen sein könnte. Dort lebt die kleine Lola gemeinsam mit ihrer alleinerziehenden, äußerst flotten Mama Loretta (Christiane Paul in der nächsten Mutterrolle nach "Doktorspiele"). Die Elfjährige hat gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen: Mit einem korinthenkackenden Vereinsmeier, der die beiden samt ihrem Schiff am liebsten davon jagen möchte, der Abwesenheit ihres Vaters, der seit zwei Jahren verschwunden ist, und dem neuen Mitschüler Rebin, der mit seiner kurdischen Familie in dem konservativen Dorf nicht gerade wohl gelitten ist. Ganz zu schwiegen vom neuen Lover ihrer Mutter, einem Tierarzt mit Vokuhila-Frisur (Tobias Oertel, der auch mitproduzierte).

Heinemanns sympathische Außenseiter-Geschichte, die zum großen Teil als augenzwinkernde Komödie daher kommt, ist prall gefüllt mit netten Einfällen und witzigen Anspielungen. So wird der Vater auf dem Bild, das auf Lolas Nachttisch steht, zuweilen lebendig und singt dann seiner Tochter ein sanftes Gute-Nacht-Lied, während in einer anderen Szene Lola mal wieder vor ihren mobbenden Mitschülern davonrennen muss, was Assoziationen zu Tom Tykwers "Lola rennt" weckt. Allerdings packt Heinemann zu viele heiße Eisen an, die Themen Scheidungskind und Ausländerproblematik werden am Schluss auch noch um die Komponente Ökologie erweitert. Weniger wäre in dem Fall sicher mehr gewesen. Freuen darf man sich aber auf etwas Frivoles, einen herausragenden Antoine Monot Jr. als nörgelndem Besserwisser und Lolas herrlich analytische Zwischenberichte zum aktuellen Geschehen, die von Naturtalent Tabea Hanstein in ihrer ersten Rolle direkt in die Kamera gesprochen werden. So entsteht letztlich eine sehr schöne Mischung aus fantasievollem Märchen, authentischem Familiendrama und schräger Outsider-Comedy.

Quelle: kino.de